Er druckt (in 3D. Keine Farbe.)


Weiter gehts. Das Heizbett wird montiert. Um das Ganze etwas wartungsfreundlicher zu machen, habe ich die Verbindung zum Drucker über Molexstecker realisiert. Die Befestigung des Temperatursensors sieht eklig aus:

Nach dem Einbau sieht das Ganze so aus:

Die wilde Kabelführung hab ich mittels Kabelbinder etc. gebändigt. Nach den Erfahrungen aus Mannheim sind die Schrittmotorleitungen getrennt von den restlichen Leitungen verlegt, um Einstrahlungen zu vermindern. Das klappt auch ganz gut — bislang hatte ich keine Probleme mit kaputten Endstopsignalen.

Der Schrittmotor für den Bowdenextruder sitzt auf der Rückseite und ist mit einer kleinen Dibond-Platte am Rahmen befestigt. Die Rahmenkonstruktion ist nicht nur massiv, sondern auch prima für derartige Anbauten geeignet.

Der Bowdenzug endet im Hotend, welches auf dem X-Carriage montiert ist. Die komplette X-Achse ist ziemlich leicht, was Vibrationen etc. eindämmt. Diese orangenen Zahnriemen-Spanner muss ich aber austauschen, die tun weh in den Augen.

Fröhliches Softwarekalibrierspiel

Mittlererweile hasse ich ja diese ganze Arduino-Geschichte. Wenn man nicht weiss, was man tut, ist das super. Wenn man aber weiss, was man tut und will, dann ist das Ganze einfach nur nervig. Jedenfalls hat mich das Aufspielen einer selbstkompilierten (und angepassten) Firmware mehrere Stunden gekostet.

Der von mir verwendete Sanguinololu ist mit einem ATMEGA 1284p ausgestattet (die normalen verwenden nur einen ATMEGA644p). Der 1284p hat mehr Flash, was ich brauche, da ich noch ein LCD-Display an den Drucker anschließen will.

Bootloader etc. war schon vom Verkäufer geflasht worden. Allerdings kennt das normale Arduino 023 das Board und den Chip nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Board-Definition und die avrdude-Konfiguration von Arduino muss angepasst werden, damit beide den groesseren Chip kennen.

Das ist hier schon mal vorbereitet. Einfach der README folgen und gut. Der Upload sollte nun funktionieren. Allerdings kann man unter Ubuntu 12.04 nicht kompilieren - der hier vorhandene avr-gcc 4.5.3 spielt nicht mehr reibungslos mit der fuer Marlin notwendigen Arduino-version 23 zusammen. Das folgende Makro muss in

arduino-0023/hardware/Sanguino/cores/arduino/wiring.h
arduino-0023/hardware/arduino/cores/arduino/wiring.h

entfernt werden:

// #define round(x)     ((x)>=0?(long)((x)+0.5):(long)((x)-0.5))

Der Hintergrund ist im Arduino-Forum erklärt. Dann in der Arduino-IDE als Board "Sanguino w/ 1284p 16MHz" auswaehlen, kompilieren, glücklich werden.

Die meisten maschinenspezifischen Einstellungen werden in der Firmware selbst vorgenommen. Meine Konfiguration liegt auf github. Die folgenden Dinge sollte ich das nähcste Mal beachten:

  1. Man kann die X-Achse recht leicht kaputt machen, indem man die Feedrate für die Z-Achse zu hoch wählt. Fährt man dann mit der Z-Achse, kann sie links oder rechts blockieren und die X-Ends auseinanderreißen. Ging dank eines Hechtsprungs zum Netzteil nochmal gut.
  2. Die Software-Endstops sollte man immer aktiviert lassen — ansonsten wird während einer Fahrbewegung einfach nicht angehalten, auch wenn der Endstop lange gedrückt war.

Ausserdem verhält sich der Bowdenextruder komplett anders als ein Wade-Extruder. Ich hab mir keine Gedanken gemacht und einfach nichts verändert — das sollte man nicht tun:

Das ist die Plastikmenge, die extrudiert wird, wenn man eine Bahn druckt. Klar, ein Wade hat eine Untersetzung, d.h. der muss viel mehr drehen als ein direkt-angetriebener Bowdenextruder. Zurück auf Null, nachdenken, und Triffid Hunter's Calibration Guide durcharbeiten.

Um dann endlich was zu drucken, muss man natürlich noch einen Slicer haben. Da mir diverse Leute zu Slic3r geraten hatten habe ich mir den angesehen - und bin beeindruckt. Funktioniert ziemlich gut, ein Snapshot meiner Konfiguration ist hier.

Nach den oben gezeigten Kalibrierungsobjekten war der Drcuker eigentlich schon ganz gut eingestellt. Während das Würfelding auf der rechten Seite im oberen Bereich zu schnell gedruckt wurde (das Plastik kühlt nicht schnell genug ab) ist es auf der rechten Seite schon ganz passabel. Der einzige Unterschied: In Slic3r "Cooling" aktivieren, dann werden diese Schichten viel langsamer gedruckt. Die langen Seiten sollten 40mm lang sein — bei diesen Würfeln liege ich bei 39,6mm.

Beim Würfelding hatte ich noch ein Problem mit dem Oozing (der Extruder "verliert" Plastik, auch wenn er gar nicht drucken soll, und es entstehen kleine Plastikfäden). Einfache Korrektur mit dem Bowdenextruder: 10mm retract einstellen. Die fährt der locker mit, und das Oozing ist auch bei kleinen Details weg:

Der Rest findet sich. Er druckt!


Mathias Dalheimer

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